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Neugieriges Reh am Standstreifen

08.06.2017

Pfingstmontag überrascht Antenne Niedersachsen mit der abenteuerlichen Meldung, zwischen Hittfeld und Maschen stehe ein neugieriges Reh am Standstreifen. Kopfkino: Ein Reh lümmelt sich chillig im Liegestuhl, beobachtet den Verkehr, schaut regelmäßig auf die Uhr, ungeduldig darauf wartend, im Radio erwähnt zu werden.

Ich frage mich, wie wahrscheinlich ein Medium im Rahmen seiner halbstündigen Meldungen das rasch wechselnde Geschehen in der Natur überhaupt zutreffend wiedergeben kann. Und ähnlich wie Radio Antenne dem Reh wohl nicht folgen kann, können wir der Geschwindigkeit unserer Zeit noch folgen. Und weil wir uns mit der Anpassung sehr schwertun, wirken viele unserer Muster wie aus der Zeit gefallen:

Zeitnah treffen? Ja, in 4 Wochen habe ich noch was frei. Oder gleich nach dem Urlaub? Das ändern wir nächsten Monat. Ich bin sechs Wochen weg. Die Lieferzeit beträgt acht Wochen. Das planen wir für nächstes Jahr. Unser neues Entwicklungsprojekt läuft achtzehn Monate.

In der Echtzeitwirtschaft sind das inzwischen Lichtjahre. Tausende Daten werden jederzeit online erhoben und verbreitet. Manche erfordern unverzügliches Handeln, spontane Teambildung und schnelle Lösungen, die Digitalisierung schafft den Rahmen, in dem wir immer und überall reagieren können. Erworbenes Wissen verteilen wir sofort an alle. Die Reaktionszeit in allen operativen Bereichen verkürzt sich erheblich.

Ursache ist natürlich die Digitalisierung, die bereits in den 50er Jahren begonnen hat. Das Prägende ist aber die unvorstellbar rasende Geschwindigkeit: Alle 18 Monate verdoppelt sich die Kapazität der Computer bei gleichem Preis. Und mit jedem Euro Kapital und jedem zusätzlichen Teilnehmer weltweit wächst auch der globale Ideen- und Lösungsraum nahezu exponentiell weiter. In jeder Entwicklungsrunde werden neue Bedürfnisse bedient und veränderte Produkte und Geschäftsmodelle möglich, die bei zunehmender weltweiter Verbreitung immer größere Gewinne garantieren, die in der nächsten Runde noch massiver in weitere Ideen investiert werden. Am Anfang der Entwicklung waren die Steigerungs-Schritte entsprechend klein, inzwischen sind sie riesig. Alles, was dieser Tage als technische Spielerei vorgestellt wird, wird bereits in drei bis fünf Jahren unser Leben verändern. Garantiert. Und ein Ende der Beschleunigung ist nicht in Sicht.

Als Konsumenten merken wir die höhere Geschwindigkeit in jeder Hinsicht: wir werden mit Informationen überhäuft, unsere Aufmerksamkeitsspanne beträgt noch acht Sekunden, fast alles geht online und sofort, täglich können wir aus neuen Apps und Produkten wählen, nach zwei Tagen sind unsere Mails bereits überholt, in drei Tagen liefert uns amazon annähernd jede Ware der Welt. Und selbst individuelle Anfertigungen aus Asien benötigen nur noch drei Wochen zu uns.

So komfortabel das ist, so sehr gilt die Beschleunigung auch für unsere Arbeitswelt. Unsere Kunden wollen immer häufiger etwas sofort. Spätestens aber Montag ein Team und Ende der Woche das Ergebnis. Es ist grundsätzlich davon auszugehen, dass alles, was nicht in den nächsten vier Wochen - als aktuell größte maßgebliche Zeiteinheit - stattfindet, irgendwann von der Realität eingeholt werden wird. Oder von dem, was unsere Existenz insgesamt in Frage stellt.

Dafür machen wir uns einfach mal bewusst, dass weltweit vermutlich mindestens fünf verschworene Teams in ihren Garagen genau in diesem Moment exakt an derselben Entwicklungsaufgabe arbeiten wie wir, nur, dass sie schon 20 Prozent weiter sind. Es ist vielleicht inhaltlich ein bisschen anders und sie tun es zunächst nur für ihr lokales Umfeld. Aber sie tun dasselbe und sie sind uns voraus.

Oder wir stellen uns vor, einer der vier Internetgiganten Apple, Amazon, Microsoft bzw. Alphabet investiert gerade 200 Mio. Euro, um die Mainstreamvarianten unseres Produktes online konfigurierbar zu machen und seine im ersten Schritt 12 Mio. Kunden arbeiten die nächsten Monate kostenfrei daran, das Produkt zu perfektionieren. Beängstigend, nicht wahr?

Geschwindigkeit ist schon heute das Hauptkriterium für Wachstum. Wie wir persönlich und in unseren Firmen mit der rasant steigenden Geschwindigkeit umgehen, wird Erfolg oder Nicht-Erfolg definieren. Sowohl den Erfolg von Produkten und Unternehmen wie den von Lebensentwürfen und Karrieren. Deshalb rät Rolf Schumann*, Manager bei SAP, allen Unternehmen "Lauf, so schnell Du kannst." Jetzt.

P.S. Eigentlich wollten wir diesen Beitrag erst am 20. Juni veröffentlichen. Aber wie lange kann ein solcher Beitrag heute noch warten?

* Quelle: https://www.computerwoche.de/a/was-die-plattform-it-fuer-das-business-bedeutet,3330058

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