DeutschEnglish

Produktivität neu definieren - Wie wir die Angst vor der Digitalisierung verlieren

15.02.2017

Ganze Generationen haben sich dem Ziel verschrieben, ihre Produktivität zu steigern. Dabei kam es nicht selten zum Gelehrtenstreit, welche Kennziffer genau die richtige sei und wie die einzelnen Bestandteile zu messen seien. Regelmäßig werden die Vorgabezeiten der produzierten Produkte mit den bezahlten Anwesenheitsstunden bestimmter Mitarbeitergruppen ins Verhältnis gesetzt. Dafür werden die Mitarbeiter regelmäßig in "Produktive" (arbeiten am Produkt) und "Unproduktive" oder "direkte" und "indirekte" (arbeiten je nach individueller Definition im Einkauf, im Vertrieb, in der Logistik, der Entwicklung oder der Verwaltung) unterschieden.

Dieser heilige Gral der Produktioner war schon immer irrelevant in Branchen, in denen es aus Wirtschaftlichkeitsgründen keine Arbeitspläne gibt, d.h. in der Einzelfertigung. Ein traditionelles Problem aller Anwender waren negative Sprünge, sobald wir eigene Wertschöpfung durch Zukauf ersetzt haben, d.h. direkte Arbeit in der Produktion gegen traditionell indirekte Arbeit im Einkauf getauscht haben. Da wurden nicht selten Produktionsmitarbeiter entlassen, um die negativen Folgen auf die Produktivität abzumildern.

Heute müssen wir gerade in der Massenfertigung die Produktion an Lieferanten mit größeren Stückzahlen oder sogar in andere Länder verlagern. Gleichzeitig wird die Geschäftsmodell- und Veränderungsarbeit (indirekt) immer vielfältiger. Vor kurzem fragte uns ein Unternehmer in der Automobilzulieferung auf einer Veranstaltung, wann denn die für ihn bedeutsame Elektromobilität käme. Wir antworteten, dass das keiner exakt sagen könne, nur, dass es sich für ihn bestimmt lohne, sich bereits heute mit beiden Antriebsformen zu beschäftigen. Seine Antwort darauf war: "...aber das sind ja dann noch mehr Unproduktive."

Womit er zweifellos Recht hat. Zumindest an der Definition gemessen, dass die Mitarbeiter nicht direkt an den aktuell erstellten und verkauften Produkten arbeiten. Nicht viel anders agieren Kleinbetriebe oder der Einzelhandel, bei denen sich der Unternehmer voll in der Tagesarbeit einbringt, um Personalkosten zu sparen. Eine verständliche, aber in Zeiten des beschleunigten Wandels offensichtlich kurzsichtige Verhaltensweise.

Die Fokussierung auf eine hohe Produktivität hat auch Auswirkungen auf die Digitalisierung unserer Büroarbeitsplätze: Nach gängigen Überzeugungen und Verhaltensweisen haben alle Beteiligten die Erwartung, dass die Automatisierung eines Arbeitsplatzes dazu führen muss, den bisher mit den Aufgaben betrauten Mitarbeiter zu entlassen.

Wenn wir uns den Gefallen tun, jegliche bewusste und gezielte Arbeit am Kunden, an Konzepten, Geschäftsmodellen und der Veränderung unserer Organisation nicht nur als lästige Nebengeräusche des Tagesgeschäftes, sondern als produktiv zu betrachten, ergibt sich eine ganz neue Perspektive: Plötzlich wird diese Arbeit gleichwertig und wir fragen uns, woher wir nur die Kapazitäten bekommen sollen, sie zu leisten. In Kleinbetrieben sollte sich der Unternehmer darum kümmern, in mittleren Unternehmen freuen wir uns, dass unsere vorhandenen Mitarbeiter mit jedem Automatisierungsschritt Freiräume gewinnen, um sich um diesen Teil der Arbeit zu kümmern. Und damit Schritt für Schritt in neue, zukunftsfähige Aufgabengebiete hineinzuwachsen.

Angenehmer Nebeneffekt: Auf einen Schlag verbessern sich unsere Kennziffern um diesen bisher versteckten Teil unserer wahren Produktivität und wir verschaffen der Arbeit am Kunden und seinen Bedürfnissen in unserer Firma endlich den verdienten Stellenwert.

Kontakt

einfach.effizient. GmbH&Co. KG
Marie-Curie-Str. 1
26129 Oldenburg (Oldb.)

Tel:      + 49 441 36116210
Fax:     + 49 441 36116214
Mob:    + 49 1525 6799349