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Zurück in die Zukunft - Eine kleine Zeitreise

09.01.2017

Wie sich Gewohnheiten und Geschäftsmodelle verändern

Donnerstagnachmittag, irgendwann in den 80ern. Meine Mutter, meine Schwester und ich brechen gleich nach dem Mittagessen zum halbjährlichen Bekleidungseinkauf auf. Wir fahren in die Stadt, parken im Parkhaus eines großen Warenhauses und steuern die erste Station an: Sommerschuhe. Da wir den Kollektionswechsel verpasst haben, sind nicht mehr alle Größen vorrätig. Bei manchen Modellen sind wir unterschiedlicher Meinung, was unter "schick" zu verstehen ist. Meine Mutter achtet auf die Verarbeitung und das Fußbett, ich bevorzuge Markenschuhe, die aber oft über 100 DM kosten. Die Verkäuferin verschwindet im fünf-Minuten-Takt im Lager, um kurz darauf mit immer neuen Türmen von Schuhkartons zurückzukehren. Nach einer halben Stunde sitzen wir gefühlt selber im Lager, das sich im Kreis um uns herum auftürmt. Und doch, Fehlanzeige, ab in das nächste Geschäft. Die Prozedur beginnt von neuem und neuem und endet erst, als die Geschäfte um halb sieben schließen. Zum Glück. Mit mehreren Tüten in jeder Hand steigen wir im Parkhaus die Treppen hinauf und sinken erschöpft in unsere Autositze.

Donnerstagnachmittag, 2020, ich besuche eine Ganztagsschule. Meine Eltern sind berufstätig, mein Vater hat neuerdings noch einen zweiten Job. Damit wir uns die Wohnung, die Autos, den Skiurlaub und die Sommerreise leisten können. Kurz nach mir kommt meine Mutter nach Hause. Während ich Hausaufgaben mache und ein bisschen Youtube, kümmert sie sich um den Haushalt und bereitet das Abendessen vor. Es gibt etwas Gesundes, ein neues Rezept, das sie mit ihrer Küchenmaschine zubereitet. Sie sagt, "kannst Du noch mit dem Hund rausgehen, damit Du genug Bewegung bekommst? Danach musst Du Dir noch Schuhe für Opas Geburtstag nächste Woche bestellen. Achte darauf, dass sie nicht zu bunt sind und höchstens 50 Euro kosten." Glücklicherweise habe ich meine Füße mit dem Smartphone fotografiert und bei meinem Profil im Internet hinterlegt. Daraus hat der Computer ein 3D-Modell erstellt, das ich mit den Maßen aller online verfügbaren Schuhe abgleichen kann. So bin ich sicher, dass der Schuh mir passt. Wenn Opas Geburtstag später wäre, würde ich mir meinen eigenen Schuh konfigurieren, wie der von meinem Freund Leon, nur cooler, und im Zweifel eine passende Einlegesohle aus dem 3-D-Drucker dazu bestellen. Heute mache ich es mir einfach und bestelle mir ein Paar blaue Chucks im Online-Shop, bevor ich ins Bett gehe.

Mit unserem Streben nach Wohlstand, Komfort, Individualität, Mobilität und Gesundheit und den Rahmenbedingungen unserer Zeit verändern sich unsere Gewohnheiten. Und damit die Produkte, die wir kaufen, wann und wie wir sie kaufen und wo und wie sie hergestellt werden. Natürlich kaufen immer noch viele ihre Schuhe im örtlichen Schuhladen oder Handarbeit aus Deutschland, aber über die Jahre hinweg tun das immer weniger, immer mehr Hersteller verlagern ihre Produktion und Einzelhändler schließen ihre Geschäfte. Es ist absehbar, dass die Veränderung über kurz oder lang alle Branchen, Güter und Leistungen betreffen wird. Das verlangt von uns eine Anpassungsleistung, ohne die wir den Anschluss an die Entwicklung auf unseren Märkten verlieren werden.

Beitrag zum Thema "Ausblick: Diesen Branchen geht es in den nächsten 24 Monaten an den Kragen."

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