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Ich packe meinen Koffer und...

17.06.2017

...fahre in den Urlaub? Eine zum Ferienbeginn sicherlich passende Satzergänzung. Ältere kennen den Satz noch vom beliebtesten "Brain-Game" ihrer Kindheit "Kofferpacken" und ergänzen ihn um eine immer längere Kette von Gegenständen, die sie mitnehmen wollen. Im beruflichen Umfeld sprechen wir jeden Tag vom Mitnehmen, und zwar vom Mitnehmen der Mitarbeiter. Egal woran wir gerade arbeiten oder was wir uns vornehmen, aus irgendeinem Grund wollen, müssen oder geloben wir immer, die Mitarbeiter mitzunehmen. Meist sagen wir das im Nachsatz zu einem Vorhaben, gerne kombiniert mit dem Wort "natürlich".

Laut Duden bedeutet etwas mitzunehmen, jemanden an etwas teilhaben zu lassen. Und das ist genau das, was wir damit sagen wollen: wir denken uns etwas aus und lassen dann unsere Mitarbeiter daran teilhaben. Das ist gut gemeint von uns, denn so meinen wir, funktioniere Veränderung. Wir Führungskräfte überlegen uns - ggfs. mit unseren Beratern - eine Lösung, danach rütteln wir bewusst auf, bereiten auf anstehende Veränderungen vor, stellen Gründe plausibel dar, wecken Bereitschaft zur Änderung, bringen Mitarbeiter dazu, das Neue begeistert anzustreben, weisen den Weg nach vorne, lassen die Mitarbeiter Teil des Veränderungsprozesses werden oder binden sie gar aktiv ein, vermitteln Methoden, Motivation und neue Wege, zu denken, erhalten Motivation aufrecht, schulen, wertschätzen durch unsere Präsenz, motivieren, den beschlossenen Weg einzuhalten, unterbinden den Rückfall in alte Verhaltensmuster oder geben das Gefühl, trotz aller Schwierigkeiten auf dem richtigen Weg zu sein. Soweit zur gängigen Rollenverteilung bzw. zum üblichen Veränderungs-Vokabular.

Aber sind wir es wirklich, die Mitarbeiter einfach nur nachträglich an unseren Denkergebnissen teilhaben lassen? Sind wir tatsächlich die Macher und Spin Doktoren in unserem Universum? Oder sind unsere Mitarbeiter, die jeden Tag Ergebnisse produzieren, die von unseren Kunden bezahlt werden, einfach nur zu feinfühlig, uns außer mit ihrem X-Verhalten* mit unserem begrenzten Einfluss zu konfrontieren?

Sehen wir es positiv: Haben wir schon einmal darüber nachgedacht, wie kraftvoll wir sein könnten, wenn es nicht mehr nur auf unsere eigenen Denkergebnisse und Ideen ankäme, sondern alle Kollegen sich mit ihren Erfahrungen, Gedanken und Fragen einbrächten? Wie viel besser neue Lösungen wären und viel mehr PS uns das gäbe?

Wir machen in der Beratung gute Erfahrungen damit, bereits vor ersten Lösungsansätzen mit den Teams zu diskutieren**, die Grenzen ihrer Handlungsräume abzubauen und Systeme so umzugestalten, dass Y-Verhalten wieder Normalität wird. Und wenn erst einmal ein sicherer Rahmen geschaffen und ein klares Ziel gefasst ist, fangen Menschen ganz von alleine an, zu experimentieren und neue Wege zu gehen. Dann muss sie keiner mehr mitnehmen, im Gegenteil, sie gehen voraus.

Wir bevorzugen deshalb in der Veränderung einen anderen Sprachgebrauch: Wir gehen zusammen neue Wege. Bzw. finden gemeinsam mit den Mitarbeitern passende Lösungen. Und mitnehmen wollen wir nur unseren Koffer, und zwar in die wohlverdiente Sommerpause, in die wir uns hiermit verabschieden. Wir wünschen allen Kunden und Lesern schöne, sonnige und erholsame Ferien!

* Zu unterschiedlichen Verhaltensmustern nach Douglas McGregor siehe z.B. das eindrückliche Spiel von Niels Pfläging ab 57:23.

** Zu Forschungsergebnissen von Kurt Lewin zur Veränderung ab 6:05.

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