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Mehr Heavy Metal!

07.05.2016

Über Pep Guardiolas Ballbesitz-Fussball sagte dieser Tage Diego Simeone, der Trainer von Athletico Madrid: "Wozu brauche ich dauernd den Ball? Im Fußball geht es nur um eines: ums Gewinnen."

In unseren Büros geht es nicht viel anders zu als auf dem Fußballplatz. Und ähnlich wie bei den Bayern und einigen begeisterten Nachahmern des gepflegten Ballbesitzfußballs das Spielgerät bis zu 80% der Spielzeit nutzlos in den eigenen Reihen hin- und hergepasst wird, werden in unseren Büros die Aufgaben hin- und hergeschoben.

Da bekommt beispielsweise die Chefsekretärin eine Anfrage von einem Berater, ob sie nicht über das Wochenende einige Einladungen für internationale Gäste mit einem Firmenstempel versehen könne, das eile aufgrund der Zeitverschiebung.

Statt aufzuschauen und nach dem kürzesten Weg zum Tor zu suchen, passt sie den Ball weiter und fragt ihren Chef, ob nicht der nette Herr aus der Buchhaltung am Wochenende sowieso im Büro sei. Nun, der Chef wird entweder den Ball ohne Raumgewinn "klatschen lassen" und ihr mitteilen "das weiß ich nicht" oder ihr eine andere Anspielstation vorschlagen ("fragen Sie mal den Vorgesetzten von dem netten Herrn aus der Buchhaltung"). Im schlimmsten Fall lässt der Chef den Ball ins Aus rollen und antwortet gar nicht.

Ohne dieses fiktive Beispiel weiter auszuschmücken, ist leicht vorstellbar, wie oft die Aufgabe besprochen und verschoben werden kann, ohne dem "Torschuss", der eigentlichen Erledigung auch nur einen Meter näher zu kommen. Und mit jedem Querpass tickt die Uhr und ticken auch unsere betrieblichen Kosten weiter.

Deshalb gebietet jede neue Aufgabe zwei Kontrollfragen: Ist MEIN direkter Weg zum Tor frei, bin ich derjenige, der die Aufgabe mit dem geringsten Aufwand erledigen kann? Wenn nein, muss ich mich fragen, wie muss ich den Ball am besten spielen, um ihn auf kürzestem Weg in Tornähe zu befördern? Im übertragenen Sinne: Wie finde ich jetzt schnellstmöglich jemanden, der es selber, direkt und vollständig tun kann? Dabei gilt es zu bedenken, dass das Ausmaß der Verschwendung immer und grundsätzlich exponentiell mit der Zahl der involvierten Kollegen ansteigt.

In unserem Beispiel ist es offensichtlich, dass die Chefsekretärin die Aufgabe hätte selber erledigen müssen oder den netten Herren aus der Buchhaltung hätte direkt fragen können. Nur wäre dabei vermutlich offensichtlich geworden, dass sie schlichtweg nach einem Weg suchte, die Aufgabe nicht selber erledigen zu müssen.

Ohne über die Motive weiter zu spekulieren, bleibt klar: je größer unsere Büros und je vielfältiger die Aufgaben sind, desto größer ist die Versuchung, es den Bayern gleich zu tun und den Ball gepflegt in den eigenen Reihen weiterzupassen.

Die eigentliche Problematik: anders als die Ballstatistik beim Fussball gibt es in unseren Firmen keinen offiziellen Gradmesser für Verschwendung. Und manche Aufgaben halten sich derart penetrant in unseren Reihen, dass uns der verschwenderische Umgang mit ihnen gar nicht mehr auffällt.

Und so ist es an uns, dem nutzlosen Ballbesitztreiben Einhalt zu gebieten, immer nach dem kürzesten Passweg zu suchen und bei allem Beratschlagen, Hinterfragen und Weitergeben auch mal selber den Weg zum Tor zu suchen und eine Aufgabe zu erledigen.

So wie es einst Jürgen Klopp formulierte, als er zu seinem Kollegen Wenger befragt wurde und sagte "Ich liebe ihn. Er ist ein Sir für mich. Er mag es, den Ball zu haben, Fußball zu spielen, Pässe. Es ist wie ein Orchester." Um dann anzufügen: "Ich mag es laut, ich mag lieber Heavy Metal."

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