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Zur Gründung von einfach.effizient. haben wir mit Ingo Körner gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Broetje-Automation GmbH, die kundenindividuelle Fertigungslinien für die Luftfahrtindustrie herstellt.

27.09.2015

Herr Körner, bei der Broetje-Automation werden kundenindividuelle Lösungen in Einzelfertigung hergestellt. Welche Herausforderungen entstehen dabei?

Wir wickeln unsere Aufträge als Projekte mit einer Laufzeit von ein bis drei Jahren ab. Bei Projekten handelt es sich um sehr umfangreiche Aufgabenstellungen, an deren Bewältigung Kunden, viele Mitarbeiter sowie Partnerfirmen beteiligt sind und bei denen sich im Zeitablauf vieles verändern kann. Damit ein Projekt erfolgreich abgeschlossen wird, müssen alle Räder reibungslos ineinandergreifen.

Damit spielen Ihre Prozesse eine wichtige Rolle?

Prozesse sind der Versuch, Handlungsstandards zu schaffen, an denen sich alle Mitarbeiter orientieren können. Je höher allerdings die Unterschiedlichkeit der einzelnen Produkte, Bedarfe, Lieferzeiten und Kunden ist, desto mehr unterscheiden sich die individuellen Aufgabenstellungen und die jeweils gefundenen Lösungen. Wenn dann noch überraschend Veränderungen im Projekt eintreten, geht es mehr darum, im richtigen Moment das Richtige zu tun. Wobei „das Richtige“ jedes Mal anders aussehen kann. Unser Schwerpunkt liegt deshalb darauf, neben stabilen Prozessen die Grundlagen dafür zu schaffen, in neuartigen Situationen zügig gute Lösungen zu generieren.

Wie machen Sie das genau?

Wir helfen unseren Mitarbeitern, sich mit den wachsenden und wechselnden Ansprüchen unserer Kunden mit zu entwickeln. Über 75 Prozent unserer Mitarbeiter sind als Wissensarbeiter in Vertrieb, Konstruktion, Projektmanagement oder Einkauf und Logistik tätig. Wir unterstützen sie dabei, ihre individuelle Arbeitsorganisation zu optimieren. Denn viele Fehler, Missverständnisse oder Fehlentscheidungen entstehen bei Überlastung, hohem Arbeitsrückstand und Hektik. Wir sprechen mit ihnen über die Priorisierung von Aufgaben, darüber, wie sie ihre Aufgaben schnellstmöglich abschließen können und wie wir alleine oder gemeinsam optimale Entscheidungen treffen können. Das geht oft nicht ohne Nachdenken, die Konsultation von Kollegen, konstruktive Diskussionen oder das strukturierte Denken in Szenarien. Und wir sprechen über die Kommunikation miteinander und wie wir einander in Meetings oder mit e-mails zuverlässige Signale übermitteln können. Schließlich ist der schlampige Umgang mit e-mails einer der größten Produktivitätskiller unserer Zeit.

Das Spannende ist, dass die Ursachen der Störung von Wissensarbeit nicht auf den ersten Blick transparent oder greifbar sind. Die Signale sind zunächst sehr schwach, da kommt kein Produktionsfluss ins Stocken und keiner drückt den Alarmknopf. Meistens machen alle erst einmal weiter, weil sie sich still vor sich hin ärgern, vor lauter Termindruck keine Zeit haben, weiter darüber nachzudenken, oder die Folgen erst so viel später auftreten, dass die Ereignisse im Detail nicht mehr rekonstruierbar sind. Erkennbar ist diese Art von Problemen daran, wenn to-do-Listen wuchern, ohne dass Aufgaben abgeschlossen werden können, wenn es nur zäh vorangeht, oder man sich fragt „warum geht das eigentlich immer wieder schief?“

Inwieweit ist sind Ihre Erfahrungen auf andere Branchen übertragbar?

Da gibt es zwei Aspekte: die Unterschiedlichkeit der Aufgaben ist sicherlich ein spezielles Merkmal der Einzelfertigung, vergleichbar vielleicht nur mit Zahnlaboren, Maßschneidereien oder den Forschungsabteilungen der Großindustrie. Die typischen Störungen der Zusammenarbeit beobachten wir aber überwiegend dort, wo Arbeit nicht greifbar ist, bei den Wissensarbeitern. Und die gibt es überall, ob als Arzthelferin, Kreditanalystin, Gutachter, Steuerberater oder in der Verwaltung von Großkonzernen. Sie alle verarbeiten Informationen, haben nur eine begrenzte Arbeitszeit zur Verfügung und müssen sich mit ihren Kollegen einigen oder nacheinander an derselben Aufgabe arbeiten. Die entstehenden Probleme sind immer gleich: Verdeckte Engpässe führen zu Verzögerungen, durch unpräzise Kommunikation entstehen Missverständnisse, manche arbeiten unter falschen oder veralteten Annahmen oder schützen sich mit Blockade vor Überlastung. Arbeitsfehler führen zu teuren Wiederholungen unter hohem Zeitdruck und zu Kundenunzufriedenheit. Deshalb fokussieren wir unsere Bemühungen auf diesen Teil unserer Wertschöpfung.

Welche Rolle spielt einfach.effizient. dabei?

Wir haben in einem ersten Schritt unser Prozess- und Qualitätsmanagment zur Inhouse-Beratung „Collaborations“ weiterentwickelt. Damit wollten wir das Signal setzen, dass die reibungslose Zusammenarbeit der Kollegen im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen muss, wenn wir nachhaltig erfolgreich sein wollen. Inzwischen sind wir an einem Punkt angekommen, an dem wir uns gefragt haben, wie wir als Industrieunternehmen erfahrene Lean-Berater gewinnen können, um unsere Umsetzungsgeschwindigkeit zu erhöhen. Das passte dann sehr gut mit der Idee von Jörg Högemann zusammen, seine eigene Beratungsfirma zu gründen. So bekommen wir zukünftig Zugang zu einem bereiteren Pool an erfahrenen Beratern, die ihrerseits über einfach.effizient. ein interessantes und breites Spektrum an Firmen beraten können. Am Ende eine vorteilhafte Lösung für beide Seiten.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Wir wollen weiterhin jeden Tag ein Stück besser werden und damit die Voraussetzungen für gesundes Wachstum schaffen. Wir wünschen uns, dass die einfach.effizient. ein wichtiges Kapitel an unserer Erfolgsgeschichte mitschreibt und bei ihren Kunden ebenso erfolgreich wirkt wie bei uns.

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