Pflege 4.0: Gemeinsam entwickeln – Optimierung der (digitalen) Arbeitsorganisation

Veröffentlicht von / 6. November 2018 / Kategorie: Blog / Keine Kommentare

Pflege 4.0 als Lösung des PflegenotstandsDie Pflege steht seit geraumer Zeit wieder im Mittelpunkt politischer Diskurse. Die Forderung an die Politik, maßgebliche Veränderungen anzustreben, um die Qualität in und um die Pflege zu verbessern, wird immer lauter und dabei ist der Pflegenotstand bereits seit den 80er Jahren wahrzunehmen. Während manche Faktoren anhand politischer Vorgaben zu erzielen sind, kann bereits viel Potenzial aus der Optimierung der Arbeitsprozesse geschöpft werden.

Harte Fakten zum Pflegenotstand

Die Statistiken zeigen, dass Ende 2017 ca. 3,3 Mio. Menschen gepflegt wurden, davon 2,5 Mio. in ambulanten und 0,78 Mio. in stationären Einrichtung. Seit 2015 ist die Zahl der Pflegebedürftigen um 13,8% gestiegen. Derzeit sind 1,1 Mio. Pflegekräfte beschäftigt, 74% mehr als im Jahr 1999. Noch lange nicht ausreichend, denn Stellenangebote allein für examinierte Altenpflegefachkräfte und -spezialisten sind im Bundesdurchschnitt 171 Tage unbesetzt. Das sind 67% mehr als die durchschnittliche Vakanzzeit über alle Berufe.

Verbessert hat sich mit den Jahren zwar die Lebensqualität der Bevölkerung, was jedoch nicht darunter leiden darf ist die Qualität der Pflege. Überarbeitung, Übermüdung, Stress – seelisch wie auch physisch – ist hierbei jedoch keine Seltenheit in der Pflegebranche. Diese Belastung, ist u.a. anhand der Krankheitstage zu messen. Durch die Unterbesetzung und dem hohen Stress, fallen in der Altenpflege 6,3% der Mitarbeiter jeden Tag durch Krankheit aus, während der Krankenstand in allen anderen Branchen im Durchschnitt bei nur 4,8% liegt. Während in anderen Branchen ca. 16 Fehltage vermerkt sind, befinden sich diese bei den Pflegeberufen bei ca. 24 Tagen. Zudem zeichnet sich die Langzeiterkrankungen häufiger auf das ohnehin zu gering besetzte Personal ab.

Deswegen sind verschiedene Maßnahmen zu treffen:

  • Schaffen und Besetzen von Arbeitsplätzen
  • Verbessern der Ausbildung
  • Attraktive Entlohnung und Entwicklung des Pflegeberufs

In die Entwicklung des Pflegeberufs zählen u.a. die Weiterbildung für die Übernahme weiterer medizinischer Tätigkeiten oder die Zusammenarbeit mit verschiedenen Gesundheitseinrichtungen.

Digitalisierung in der Arbeitsorganisation für die Pflege 4.0

Digitalisierung von ArbeitsprozessenDie Entwicklung hin zu zeitgerechten Technologien in Form von Digitalisierung ist ein relevanter Punkt, der direkt in Angriff genommen werden könnte. Dabei sollen Tätigkeiten im Bereich Verwaltung und Dokumentation möglichst im Hintergrund laufen, währen die Pflege und der Kontakt zu Menschen im Fokus steht.

„Dass sich Mensch und Maschine zunehmend annähern, hat auch die deutsche Pflegebranche realisiert.“

Gemäß des Wirtschaftsindex DIGITAL ist das Gesundheitswesen nämlich die am niedrigsten digitalisierteste Branche im Jahr 2017. Es bleibt zu vermuten, dass sich an dieser Tatsache in der nächsten Zeit nichts verändern wird, da teils grundlegende Dokumentationen, wie u.a. die Krankenakten, Tourenplanung, Leistungserfassung noch analog und eine Auseinandersetzung mit der Thematik nur verhalten erfolgen.

Jegliche Digitalisierungsmaßnahmen scheitern jedoch, wenn keine klare Arbeitsorganisation vorhanden ist. Die Arbeitsschritte und den -ablauf Stück für Stück durchzugehen, zu hinterfragen sowie zu reflektieren, räumt neuen Ansätzen Platz ein, auf bestehende Problematiken eingehen zu können. Das Miteinander steht im Fokus, um unter anderem Kommunikationsstrukturen zu verbessern, Arbeitsstrukturen neu zu organisieren oder vielleicht sogar Arbeitsmodelle zu optimieren.

Der Blick in interne Strukturen kann im Zusammenspiel mit dem technologischen Fortschritt mögliche Entlastungspotentiale offenlegen. Um diese Chancen wahrnehmen zu können, ist eine interdisziplinäre Vernetzung z.B. zum schnellen Austausch von Lösungen vonnöten. Gemeinsam können wir die Entwicklung in der Pflege vorantreiben.

Literatur:
https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Berufe/generische-Publikationen/Altenpflege.pdf
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/Downloads/Statistiken/Pflegeversicherung/Zahlen_und_Fakten/Zahlen_und_Fakten_11_07_2018.pdf
https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Gesundheit/Pflege/PflegeDeutschlandergebnisse5224001159004.pdf?__blob=publicationFile
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/pflege/pflegekraefte/beschaeftigte.html
https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Publikationen/Digitale-Welt/monitoring-report-wirtschaft-digital.pdf?__blob=publicationFile&v=8
https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/arbeitsbelastung-zu-hoch-pflege-am-limit_94_276136.htm
https://www.hof.uni-halle.de/journal/texte/13_1/Krampe.pdf

Über den Autor
Cansu Kockaya ist Werkstudentin bei einfach.effizient. und studiert Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Management, Controlling und Entrepreneurship.

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